Sanfter Tourismus sichert Überleben

Sanfter Tourismus sichert Überleben

Vor 10 Jahren konnte André Chapatte dank der Berghilfe auf Agrotourismus umsatteln. Das ist daraus geworden.

«Es war eine gute Entscheidung», sagt André Chapatte rückblickend. «Die Investition in die Pferdeboxen und die Gästezimmer hat mir den Einstieg in den sanften Tourismus ermöglicht. Und der wiederum hat meinen Betrieb gerettet.» Es war eine schwierige Zeit für den Bergbauern aus Le Noirmont im Kanton Jura. Im Jahr 2003 hatte er wegen ständig sinkender Einnahmen seinen Betrieb auf Rinderaufzucht umgestellt und all seine Milchkühe verkauft. Eine Entscheidung, die er bald bereute, weil die Einkünfte weit unter den Erwartungen lagen.

«Damals dachte ich oft ans Aufgeben», erinnert sich André. Doch mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe wagte er einen Neustart. Er stellte im Stall noch einmal um: auf Mutterkuhhaltung. So gab es im Stall weniger zu tun, und André hatte Zeit für anderes. Also machte er sich die Lage seines Hofs direkt an einem der längsten Reitwege in der Schweiz zu Nutze. Er verwandelte eines der Nebengebäude in Pferdeboxen und baute im 1. Stock seines Hauses Gästezimmer ein. In den Jahren darauf beherbergte er Hunderte von Reiterinnen und Reitern mitsamt ihren Pferden. Das gab viel Arbeit, aber auch ein gutes Einkommen. Seine schon fast dem Untergang geweihte «ferme» war gerettet.

Vor Kurzem hat André altershalber etwas zurückgesteckt. Seine Mutterkühe hält er noch immer, und er betreut momentan sechs Pferde in Pension auf seinem Hof. Zimmer vermietet er aber nicht mehr. «Es war eine schöne Arbeit, aber auch sehr fordernd. Langsam wurde es mir zu viel. Und ich wollte damit aufhören, solange es mir noch Spass machte.» Seit seine Tochter mit ihrer Ausbildung ausserhalb der Landwirtschaft fertig ist und auf eigenen Füssen steht, ist er auch nicht mehr zwingend auf die Einkünfte aus dem Tourismus angewiesen. Verloren sind die Investitionen in die Pferdeboxen und die Zimmer deswegen aber nicht. André wird seinen Hof an eine Familie aus der Region übergeben. Und die werden das Angebot für Ross und Reiter garantiert wieder aktivieren. André Chapatte: «Nur mit dem sanften Tourismus kann eine junge Familie auf meiner Ferme ein Auskommen erwirtschaften.»

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im August 2016

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauer
  • Ausbau von Pferdeboxen
  • Le Noirmont/JU