«Vegetarier ist hier niemand»

«Vegetarier ist hier niemand»

Vor 10 Jahren konnte Familie Witschi dank der Berghilfe den Verarbeitungsraum ihrer Metzgerei ausbauen. Das ist daraus geworden.

Samstagmorgen bei Familie Witschi. Ausnahmsweise sind alle vier Kinder da – und alle sind am Arbeiten. «So ist das meistens. Wenn sie Zeit haben, helfen sie immer gerne mit. Nie müssen wir sie bitten oder gar drängen», sagt Mutter Käthi. Der Älteste, der 24-jährige Ivan, zersägt Brennholz, während der Rest der Familie im Verarbeitungsraum in der ehemaligen Garage arbeitet. Vater Ueli und Sohn Fabian sind, mit Schutzweste und scharfem Messer ausgerüstet, daran, grosse Fleischstücke zu zerkleinern und Fett sowie Fasern abzuschneiden. Die Töchter Karin und Nadin schneiden unterdessen Schinken und Trockenfleisch auf und richten alles zu schönen Apéro-Plättchen an. Käthi hilft hier, gibt dort Anweisungen, telefoniert mit Kunden.

Bei Witschis dreht sich vieles um Fleisch. «Ja, Vegetarier ist hier niemand», lacht Käthi. Die Bauernfamilie aus Süderen an der Grenze zwischen Berner Oberland und Emmental betreibt seit Generationen als Nebenerwerb das Metzgerhandwerk. Uelis Vorfahren waren als Störmetzger unterwegs, er selbst richtete schon als junger Mann einen Verarbeitungsraum ein, in dem er das Fleisch von den Bauern aus der Region portionierte, verwurstete, trocknete, einlegte. Vor zehn Jahren wurde dieser Raum zu eng. Der Aufschwung in der Direktvermarktung bescherte Ueli immer mehr Aufträge, und auch der Party-Service, den er gemeinsam mit Käthi aufbaute, kam immer besser ins Laufen. Beim Ausbau wurden Witschis von der Schweizer Berghilfe unterstützt. Vor zehn Jahren sagt der 11-jährige Fabian in der «Berghilf-Ziitig», dass er den Hof später unbedingt mal übernehmen möchte. Jetzt ist aus diesem Kindheitstraum schon fast Realität geworden. Fabian hat Landwirt gelernt und macht zusätzlich die zweijährige Metzger-Ausbildung. Schon bald wird er die Landwirtschaft übernehmen, während sich die Eltern auf die Metzgerei und den Party-Service konzentrieren.

Böses Blut unter den Kindern gibt es keines deswegen. «Es war irgendwie schon immer klar, dass Fäbu den Hof übernehmen wird. Er ist zehnmal mehr Bauer als wir anderen zusammen», sagt Ivan, der als Zimmermann arbeitet und als einziger bereits von zu Hause ausgezogen ist. Aber auch bei ihm gilt: «Wenn es viel zu tun gibt, dann helfe ich zu Hause. Das wird auch so bleiben, wenn Fäbu den Hof übernimmt.»

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im März 2018

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauernfamilie
  • Ausbau der Hofmetzgerei
  • Süderen/BE
Vor 10 Jahren: Mit Fleisch ab Hof fit für die Zukunft
Würste, Plätzli oder Entrecôtes: Familie Witschi setzt die Produkte ihres Bergbetriebs erfolgreich direkt an die Kunden ab.
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